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"Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit" gewinnt Preis der deutschen Filmkritik

Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit von Yulia Lokshina wurde beim Preis der deutschen Filmkritik als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Der mehrfach ausgezeichnete Dokumentarfilm zeigt, wie in der westdeutschen Provinz osteuropäische Leiharbeiter*innen des größten Schweineschlachtbetriebs des Landes ums Überleben kämpfen – und Aktivist*innen, die sich für deren Rechte einsetzen, mit den Behörden. Zur gleichen Zeit proben Münchener Gymnasiast*innen das Stück „Die Heilige Johanna der Schlachthöfe“ und reflektieren über die deutschen Wirtschaftsstrukturen und ihr Verhältnis dazu. Verwoben mit den Gedankengängen der Jugendlichen und ihrer Auseinandersetzung mit dem Text in den Proben erzählt der Film in unterschiedlichen Fragmenten über Bedingungen und Facetten von Leiharbeit und Arbeitsmigration in Deutschland.

In der Jury Begründung heißt es: „Ich kann mir das natürlich überhaupt nicht vorstellen, wie das ist“, sagt ein Schüler, und damit ist das Projekt dieses Films gut beschrieben: Es geht darum Bilder zu finden für etwas, von dem es keine Bilder gibt. Um damit Vorstellungen zu korrigieren, die sich nicht oder falsch gemachtwerden. Die Fleischfabrik ist kein Ort mehr, an dem die „Sendung mit der Maus“ filmen kann,wie Industrie funktioniert dank Automatisierung und Leuten an den Geräten, die ein gutesEinkommen haben und eine sinnvolle Arbeit und Rechte, die von Gewerkschaften vertretenwerden. „Regeln am Band, bei hoher Geschwindigkeit“ ist ein Film, der von den menschenunwürdigen Zuständen in den Tönnies-Fleischfabriken erzählt, denen wir unsere billigen Lebensmittel verdanken und nicht nur Tönnies sein Vermögen, und der zugleich darüber nachdenkt, was dieses Erzählen sein und bewirken kann angesichts des Umstands, dass das Wissen um die skandalösen Zustände mitten in Deutschland nicht ausreicht, sie aus der Welt zu schaffen. Die Klugheit von Yulia Lokshinas Dokumentarfilm besteht in seinem Essayismus, der die Medien des Erzählens mitdenkt, das Theater, den Journalismus, den Film. Auf diese Weise entsteht ein Dokument, das nicht mit dem Kopf vor die Wand der Empörung rennt, sondern sich als zeitlose Übersetzungshilfe begreift: für Bilder, die nicht gemacht werden können, und Vorstellungen, die nicht stimmen. „Du hast nicht aufgepasst“, sagt der Deutschlehrer zum Arbeiter im Kurs, der ihm versucht zu erklären, dass nicht individuelles Versagen vorliegt, sondern ein strukturelles Problem. Das Deutsch des Lehrers ist also falsch – und das sichtbar zu machen, ist Verdienst dieses Films.

Der FFF geförderte Dokumentarfilm ist Yulia Lokshinas Abschlussfilm an der HFF München, den sie gemeinsam mit den Kommiliton*innen Isabelle Bertolone und Marius Ehlayil (beide wirFilm), Zeno Legner und Lilli Pongratz (beide Bildgestaltung) umgesetzt hat.

Als einziger deutscher Filmpreis, der ausschließlich von Kritiker*innen vergeben wird, zeichnet der Preis der deutschen Filmkritik seit 1956 deutsche Filme aus, die nicht nach wirtschaftlichen, länderspezifischen oder politischen Kriterien bewertet werden, sondern ausschließlich nach künstlerischen. Über die Preisvergabe entscheiden Jurys aus Mitgliedern des Verbandes der deutschen Filmkritik.

Alle weiteren Informationen zum Preis finden Sie hier.

 

Auf dem Bild: Regisseurin Yulia Lokshina (c) Isabelle Bertolone

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